Heimsieg am Freitag, Heimpleite am Samstag: Der VfL Stade hat kaum noch Chancen auf die Play-offs. Warum sich das Team nach vier Teilnahmen in Folge so schwertut.
„Der Drops ist gelutscht“, sagte VfL-Geschäftsführer Justin Moradi. „Das wird nichts mehr“, prophezeite Stefan Moje, der Vater von Stades Nachwuchs-Basketballer Lennart Moje. Und auch Spielervater Volker Kleenlof vom jungen Korbjäger Lius stellte fest: „Wir treffen nicht gut!“
Zu diesem Zeitpunkt war am Samstagabend erst die Hälfte der Regionalliga-Partie gegen den Tabellenzweiten Bargteheide gespielt. Doch der VfL Stade lag bereits mit 27:52 zurück. Ein Rückstand, der sich trotz einiger besserer Phasen nicht mehr aufholen ließ. Das Trio lag richtig, denn am Ende stand ein deutliches 94:67 für die Gäste aus Schleswig-Holstein auf der Anzeigetafel. Nach menschlichem Ermessen ist die Saison damit gelaufen.
Stader haben noch ein wenig Rest-Hoffnung
Der VfL hat es nicht mehr in der eigenen Hand, zum fünften Mal in Folge die Play-offs um den Aufstieg in die 2. Liga ProB zu erreichen. Parallel gewann Bramsche, der direkte Konkurrent um Platz vier, seine Partie gegen Wolfenbüttel in den Schlusssekunden noch mit 93:83. Nur zwei Bramscher Niederlagen bei gleichzeitigem Stader Heimsieg gegen Wolfenbüttel in zwei Wochen (28. März, 19.30 Uhr) könnten die Spielzeit noch retten. Es bleibt nur ein schwacher Strohhalm.
„Ich fand es beachtlich, dass die Stader Fans bis zum Schluss richtig Gas gegeben und Druck gemacht haben. Davon können sich alle Teams und alle Fans eine dicke Scheibe abschneiden, weil das ganze Spiel eigentlich auf unserer Seite war“, sagte Bargteheides Coach Sükran Gencay.

Dem VfL steckt das erste Spiel noch in den Knochen
Die „blaue Wand“ des VfL, angeführt von zahlreichen Jugendspielern, sorgte im Sportcampus trotz des schnellen und hohen Rückstands bis zur Schlusssirene für extrem lautstarke Unterstützung. Da halfen auch 50 Gästefans für ihr Team mit. „Eine solche Stimmung habe ich in dieser Saison noch nicht erlebt“, war mehrfach auf der bestens gefüllten Tribüne zu hören.
Sportlich präsentierte sich Bargteheide um den früheren VfL-Kapitän Jamo Ruppert (10 Punkte) allerdings als außergewöhnlich treffsicherer und physisch starker Gegner. Der 26-jährige Wirbelwind Toru Dean war als Spielmacher in keiner Phase zu stoppen. „Wir haben gut getroffen und ausgenutzt, dass ihr noch ein Spiel in den Knochen hattet. Man hat gemerkt, dass die Power nicht ganz da war“, stellte der Gäste-Trainer fest. Tatsächlich hatte der VfL am Vorabend bereits ein intensives Spiel bestritten und sich dabei mit 80:66 gegen die TSG Bergedorf durchgesetzt.
Trainer Fernández setzt auf die Talente
Stades Cheftrainer Joan Rallo Fernández versuchte, die Belastung durch den verstärkten Einsatz junger Spieler zu steuern. Mit Erfolg. Lius Kleenlof, Bruno Müsing, Danilo Marinkovic und Lennart Moje standen, unterstützt vom erfahrenen Florian von Allwörden, am Ende der Partie am Freitagabend gegen Bergedorf gemeinsam auf dem Parkett. Alle erhielten deutliche Spielzeit. Kleenlof durfte sogar mit zur Pressekonferenz des Trainers, was als besondere Auszeichnung gilt. Beim VfL wächst etwas heran, doch es braucht noch Zeit.
Warum sich die Mannschaft in dieser Saison insgesamt schwerer tat, erklärte Kapitän Francesc Iturria so: „Es war sehr schwierig, konstant zu spielen, weil wir letztendlich nie die gesamte Mannschaft zur Verfügung hatten.“
Wer wird sich nach der Saison verabschieden?
Zahlreiche Verletzungen – unter anderem von Robert Heise, Gianluca Pavlidis, Nil Angelats, Luca von Thun, Marvin Boadu und auch von Iturria selbst – erschwerten nicht nur den Spielbetrieb, sondern auch die Trainingsarbeit. „Man kriegt die Automatismen nicht hin, wenn nie das komplette Team über einen längeren Zeitraum zur Verfügung steht“, sagte Itu, wie er überall nur genannt wird.
VfL-Manager Thomas Bolz kündigte bereits an, dass es nach dem letzten Saisonspiel Verabschiedungen geben könnte. Der Kapitän selbst würde gerne bleiben. „Ich muss halt schauen, was wird“, so Iturria. Nach dieser lehrreichen Saison werden sich wohl auch andere Spieler diese Frage stellen.
VfL-Punkte gegen Bergedorf: Baysalli 17, von Allwörden 16, Bergmann 13, Drochner 12, Spree 8, Moje 5, Müsing 3, Iturria 2, Kleenlof 2, Wuttke 2.
VfL-Punkte gegen Bargteheide: Baysalli 13, Bergmann 13, Iturria 13, Boadu 11, Drochner 8, von Allwörden 6, Wuttke 3.

